Lichterführung auf Segelyachten und Motorbooten

Lichterführung auf Segelyachten und Motorbooten

Positionslichter für Sportschiffe bis zu 20 Meter Länge
Navigationslichter dienen der Sicherheit aller auf See. Sowohl die Lichterführung, also der Einsatz von Positionslichtern, als auch die Tragweite (Entfernung, aus der das Licht sichtbar ist), die Konstruktion und Montage sind nach der IMO COLREG 72 genau definiert. Navigationslichter müssen an Bord grundsätzlich von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang oder bei verminderter Sicht auch am Tag geführt werden. Unser Ratgeber richtet sich an Segler und Sportbootfahrer mit Wasserfahrzeugen bis zu 20 m Länge über alles. Den exakten Wortlaut der geltenden Vorschriften entnehmen Sie der Seeschifffahrtsstraßenordnung (SeeSchStrO), §8 -10 und den internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR), Teil C Lichter und Signalkörper, Regel 20 - 31 sowie Anlage römisch I 1. - 14.

Zu den Kollisionsverhütungsregeln (KVR) Zur Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO)

Welche Zulassung müssen Navigationslichter haben?

Es dürfen grundsätzlich nur Navigationslichter und Schallsignalanlagen eingesetzt werden, die den Anforderungen der Kollisionsverhütungsregeln entsprechen. Das erfüllen dieser Anforderungen wird in der gesamten EU von offiziell zugelassenen Prüfungsstellen, so genannten Notified Bodies, überprüft und die Zulassung der Navigationslichter mit einem Steuerradsymbool (Wheelmark) markiert. Dies gilt sowohl für die Berufsschifffahrt als auch für die Freizeitschifffahrt. Je nachdem, unter welcher Flagge Sie fahren, kann es für die Freizeitschifffahrt national noch weitere mögliche Zulassungen geben. Im Falle einer nationalen Zulassung durch den BSH ist die Zulassung beispielweise durch eine Baumusternummer (z.B. BSH/00/01/90) kenntlich gemacht.

0098 = Notified Body number (Zertifizierungsstelle,
hier 0098 = Germanischer Lloyd in Hamburg)
18 = Year, in which the mark is affixed, hier 2018
Basisschicht

Welche Navigationslichter sind an Bord laut IMO COL REG vorgeschrieben?

Definitionen gemäß den internationalen Regeln von 1972 zur Verhütung von Zusammenstößen auf See (International Regulations for Prevention of Collisions at Sea, COL REG 72):

Seitenlichter

1. Seitenlichter für Steuerbord und Backbord

Ein grünes Licht an der Steuerbordseite und ein rotes Licht an der Backbordseite, das jeweils unbehindert über einen Horizontbogen von 112,5° geradeaus bis 22,5° achtern zur Bootsachse ausstrahlt. Auf Schiffen von weniger als 20 Meter Länge dürfen die zwei einzelnen Seitenlichter durch ein kombiniertes Zweifarbenlicht ersetzt werden. Dieses muss sich mittig auf der Bug-Heck-Achse befinden.

Hecklicht

2. Hecklicht

Ein weißes Licht, das so nah wie möglich am Heck montiert ist und unbehindert über einen Horizontbogen von 135° (67,5° zu jeder Seite) strahlt. Die Montagehöhe soll an die Höhe der Seitenlichter angepasst werden und keinesfalls höher sein.

Dreifarbenlaterne

3. Dreifarbenlaterne für Segelfahrzeuge (Seglerlaterne)

Auf Segelbooten bis 20 m Gesamtlänge dürfen die Seitenlaternen und die Hecklaterne in einer Dreifarbenlaterne, die auf der Mastspitze montiert wird, kombiniert werden. Sobald das Segelschiff unter Motorkraft fährt, ist die Verwendung der Dreifarbenlaterne jedoch unzulässig. Es gelten dann die Regeln für Maschinenfahrzeuge.

Topplicht

4. Topplicht

Ein weißes Licht über der Längsachse des Fahrzeugs, das unbehindert über einen Horizontbogen von 225° strahlt (von recht voraus bis 22,5° achterlicher als querab zu jeder Seite). Die Montagehöhe soll mindestens 1 m höher als die Seitenlichter gewählt werden. Historisch wird das Topplicht auch als Dampferlicht oder Dampferlaterne bezeichnet, da es nur von Schiffen gezeigt wird, die unter Motorkraft fahren.

Signallicht, Rundumlicht oder Vollkreislaterne

5. Signallicht, Rundumlicht oder Vollkreislaterne

Ein Licht, das einen Kreis von 360° ausstrahlt. Es darf je nach Anwendung weißes, rotes oder grünes Licht ausgestrahlt werden.
Anwendungsbeispiele: Alle Wasserfahrzeuge vor Anker müssen im Bedarfsfall ein weißes Ankerlicht führen. Schiffe über 12 m Länge müssen im Bedarfsfall Fahrstörungslaternen (zwei rote Signallichter) im senkrechten Abstand von mindestens 1 m zu setzen.

Was sind die vorgeschriebenen Mindesttragweiten von Positionslichtern?

Die Tragweite gibt an aus welcher Entfernung das Licht gesehen werden kann. Die Mindesttragweiten sind je nach Schiffsgröße folgendermaßen vorgeschrieben:

Tragweite in Seemeilen (SM) Schiffe bis 12 m Länge über alles Schiffe von 12-20 m Länge über alles Schiffe von 20-50 m Länge über alles
Topplicht 2 SM 3 SM 5 SM
Seitenlicht (Steuerbord / Backbord) 1 SM 2 SM 2 SM
Hecklicht 2 SM 2 SM 2 SM
Dreifarbenlaterne (Segelboot, wenn unter Segel) 2 SM 2 SM
Rundumlicht (weiße, rote, grüne Vollkreislaterne) 2 SM 2 SM 2 SM

Allgemeine Lichterführung: Beispiele

Hinweis: Werden Segelboote mit Motorkraft bewegt gelten die Regeln für Maschinenfahrzeuge und die Dreifarbenlaterne darf nicht mehr geführt werden.

Segler bis 20 m unter Segel

Segler bis 20 m unter Segel

1 x rote Backbordlaterne

1 x grüne Steuerbordlaterne

1 x Hecklaterne

Zusätzlich erlaubt:

1 x rote Vollkreislaterne an oder nahe der Mastspitze

1 x grüne Vollkreislaterne an oder nahe der Mastspitze

Segler bis 20 m unter Segel

Segler bis 20 m unter Segel

1 x Dreifarbenlaterne

v unter 7 m

Segler unter 7 m

Können aufgrund der Bauart keine Lichter geführt werden, müssen Segelfahrzeuge unter 7 m Länge und Fahrzeuge unter Ruder bei Dunkelheit einen elektrischen Handscheinwerfer oder eine leistungsstarke Taschenlampe zur Vermeidung von Zusammenstößen aufzeigen.

1 x Handscheinwerfer bzw. Taschenlampe

Maschinenfahrzeuge über 12 m

Maschinenfahrzeuge über 12 m

Geführt werden müssen entweder / oder:

1 x weiße Topplaterne vorn

1 x rote Backbordlaterne

1 x grüne Steuerbordlaterne

1 x Hecklaterne

Maschinenfahrzeuge über 12 m

Maschinenfahrzeuge über 12 m

Geführt werden müssen entweder / oder:

1 x weiße Topplaterne vorn

1 x Zweifarbenlicht

1 x Hecklaterne

Maschinenfahrzeuge unter 12 m

Maschinenfahrzeuge unter 12 m

Alternativ können Maschinenfahrzeuge unter 12 m folgende Lichter führen:

1 x weißes Rundumlicht

1 x rote Backbordlaterne

1 x grüne Steuerbordlaterne

Maschinenfahrzeuge unter 12 m

Maschinenfahrzeuge unter 12 m

Alternativ können Maschinenfahrzeuge unter 12 m folgende Lichter führen:

1 x weißes Rundumlicht

1 x Zweifarbenlicht

Maschinenfahrzeuge unter 7 m und 7 Knoten Höchstgeschwindigkeit

Maschinenfahrzeuge unter 7 m und 7 Knoten Höchstgeschwindigkeit

Maschinenfahrzeuge unter 7 Meter Länge und nicht mehr als 7 Knoten Höchstgeschwindigkeit können folgende Positionslichter führen: Rundumlicht, Backbord- und Steuerbordlaterne.

Für den Geltungsbereich der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO) gilt:
Können aufgrund der Bauart keine Positionslichter geführt werden (z.B. Schlauchboot) müssen Maschinenfahrzeuge unter 7 m Länge und 7 Knoten maximaler Höchstgeschwindigkeit bei Dunkelheit einen elektrischen Handscheinwerfer oder eine Taschenlampe zur Vermeidung von Zusammenstößen aufzeigen.

Links: 1 x weißes Rundumlicht, 1 x rote Backbordlaterne, 1 x grüne Steuerbordlaterne

Rechts: 1 x Handscheinwerfer bzw. Taschenlampe

Fahrzeuge unter Segel bzw. Ruder, die mit Motor ausgerüstet sind

Welche Regelung gilt für Boote unter Segel bzw. Ruder, die mit einem Motor ausgerüstet sind?

Solange keine Motorkraft genutzt wird gelten die Regeln für Segelfahrzeuge. Fahrzeuge, die gleichzeitig unter Segel und mit Motor fahren, müssen bei Tag / guter Sicht einen schwarzen Kegel mit Spitze nach unten führen.

Fahren Fahrzeuge unter Segel bzw. Ruder bei Dunkelheit oder bei verminderter Sicht unter Motorkraft, gelten automatisch die Regeln der Lichterführung für Maschinenfahrzeuge.

Am Tag mit schwarzem Kegel,
dessen Spitze nach unten zeigt.
Fahrzeuge vor Anker

Wie müssen Boote vor Anker markiert werden?

Tagsüber vor Anker? Dies müssen Sie mit einem schwarzen Ankerball kenntlich machen (der hier augenscheinlich vergessen wurde).

Liegt das Fahrzeug außerhalb einer von der Strom- und Schifffahrtspolizeibehörde als Anker- und Liegestelle für Kleinfahrzeuge bekannt gemachten Wasserfläche vor Anker, muss dies wie folgt angezeigt werden:

Am Tag ein schwarzer Ball, bei Nacht 1 x weißes Rundumlicht
Fahrzeuge vor Anker
Manövrierunfähige Fahrzeuge

Welche Markierungen gibt es für manövrierunfähige Fahrzeuge?

Ist Ihr Boot manövrierunfähig wird dies folgendermaßen zur Anzeige gebracht:

Stehend: 2 x rotes Rundumlicht, 2 x schwarzer Ball untereinander (tagsüber)

Bei Fahrt: 1 x rote Backbordlaterne, 1 x grüne Steuerbordlaterne, 1 x weiße Hecklaterne

Auf Grund gelaufene Fahrzeuge

Wodurch sind auf Grund gelaufene Fahrzeuge zu erkennen?

Ist Ihr Boot auf Grund gelaufen wird dies wie folgt zur Anzeige gebracht:

2 x rotes Rundumlicht, 1 x weißes Rundumlicht, 3 x schwarzer Ball untereinander (tagsüber)

Welche Leuchtmittel sind für Positionslaternen zugelassen?

Auf Positionslichter spezialisierte Hersteller wie zum Beispiel Aqua Signal oder Hella Marine liefern ein breites Sortiment international zugelassener Navigationslichter, die sowohl konventionell (mit BSH-Glühlampe) oder mit fest verbauten, lichtemittierenden Halbleiter-Bauelementen (LEDs) betrieben werden.
Die zum Betrieb nötigten Glühlampen sind Bestandteil der Zulassung. Auch Ersatz-Glühlampen müssen BSH-Zertifiziert sein, damit die Zulassung / Ihr Versicherungsschutz gewährleistet ist. Für Schiffe unter 20 m gilt: Heck- und Ankerlicht benötigen BSH-Zugelassene Glühbirnen mit 10 Watt, alle übrigen Laternen 25 Watt.

Ersatz-Leuchtmittel für Serie: Heckl. / Ankerl. 12 V/10W Stb./BB, Topp- / Runduml. 12 V/25W
Aqua Signal, Serie 40 SVB Art. Nr. 10203 SVB Art. Nr. 10206
Aqua Signal, Serie 41 SVB Art. Nr. 10203 SVB Art. Nr. 10206
Aqua Signal, Serie 50 SVB Art. Nr. 10203 SVB Art. Nr. 10206
Hella Marine, Serie 2984 SVB Art. Nr. 10203 SVB Art. Nr. 10206

Alle oben aufgeführten Serien mit BAY15d-Sockel könnten alternativ mit einem High-Power LED-Einsatz betrieben werden. Der große Vorteil besteht darin, dass der LED-Einsatz multispannungstauglich ist (10-30 V), und im Betrieb gerade einmal 3 Watt verbraucht. Da hier, je nach Gehäuse die Lichtfarbe, die Tragweite oder der Abstrahlwinkel variieren können ist dieses Leuchtmittel bisher NICHT international zugelassen

Welche Vorteile haben Positionslichter mit LED-Technologie?

Nach wie vor ist auf Segelyachten der Energieverbrauch ein zentrales Thema. Dies gilt vor allem für Blauwassersegler, die nicht von Hafen zu Hafen unterwegs sind. Die Argumente für eine Umrüstung auf LED-Technologie sprechen daher für sich:

  • Hohe Energieeinsparung aufgrund des geringen Stromverbrauchs
  • Lange Lebensdauer (über 10.000 Stunden)
  • MultivoltTM-Technologie (10-30V) mit größerer Toleranz gegen Spannungsspitzen
  • Kompakte und leichte Gehäusekonstruktionen
  • Wassergeschützte, hermetisch versiegelte Gehäuse
  • Wartungsfrei

Bei einem Komplettwechsel von konventionellen Positionsleuchten auf LED-Laternen können Sie sicher sein, dass Leuchten mit BSH-Prüfsiegel / EU-Steuerrad alle Eigenschaften in Bezug auf Lichtfarbe (keine Blaustich-Gefahr), Tragweite und Abstrahlwinkel erfüllen und Sie KVR-gerecht unterwegs sind.

Wie kann ich meine bisherigen Positionsleuchten gegen LED-Laternen austauschen?

Der Austausch Ihrer Positionslichter lässt sich oftmals einfach vornehmen, da die Hersteller gleiche Befestigungspunkte für die neuen LED-Laternen nutzen oder eine Adapterplatte zur weiteren Verwendung bestehender Bohrlöcher bereithalten:

Bestehende Serie: Neue LED-Serie:
Aqua Signal, Serie 40 mit quicfits-Sockel Serie 34 mit quicfits-Sockel
Aqua Signal, Serie 41 Serie 43 (nutzt identische Bohrlöcher)
Aqua Signal, Serie 40 und 50 Serie 43 mittels Adapterplatte, SVB Art. Nr. 14557
Aqua Signal, Serie 40 und 50 Serie 44 mittels Adapterplatte, SVB Art. Nr. 14557